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ALW1 klMorgens halb acht mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit. Neben mir fährt ein Bus, vor mir ist eine Abzweigung nach rechts. An diesem Morgen hält der Bus nicht, um mich auf dem Radweg vorbei zu lassen, sondern biegt zügig ohne zu bremsen rechts ab. Ich kann gerade noch bremsen, ausweichen kann ich nicht mehr. Denn schon spüre ich an der linken Schulter den Bus! Ich stehe nur noch auf dem rechten Bein, klappe langsam nach rechts und schlage wie wild gegen die Fensterscheiben. Mein Glück - die Fahrgäste alarmieren den Fahrer, der noch rechtzeitig bremst.

Wie wäre dieser Beinahe-Unfall mit einem LKW - ohne aufmerksame Fahrgäste - ausgegangen? Leider kommt es immer wieder zu solchen Unfällen mit schrecklichem Ausgang.

Heute gibt es technische Möglichkeiten, einen LKW-Fahrer vor Situationen wie der beschriebenen zu warnen. Abbiegeassistenzsysteme sollen den Fahrer dabei unterstützen, Radfahrer und Fußgänger in dem Bereich rechts vom LKW, der beim Abbiegen nicht durch einen Blick in die Außenspiegel überblickt werden kann, wahrzunehmen. Dazu gibt es unterschiedliche Systeme:

  • Radarsysteme, die seitlich unten am LKW angebracht sind, überwachen einen fast 4m breiten Bereich seitlich vom Fahrzeug und melden akustisch oder optisch, wenn sich dort jemand bewegt und beim Abbiegen seitlich auf den LKW prallen könnte.
  • Kamerasysteme mit Bilderkennung können ebenfalls potenzielle Zusammenstöße erkennen und den Fahrer warnen.

ALW1 2

LKW mit vier Tonnen, die alle nicht in den Außenspiegeln zu sehen sind! Viele kennen diesen Bereich noch aus dem Verkehrsunterricht in der Grundschule, wenn die ganze Klasse im toten Winkel „verschwinden“ konnte!

Über den Einbau eines Abbiegeassistenzsystems in die Fahrzeuge der ALW (Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Wolfenbüttel) berichtete die Wolfenbütteler Zeitung. Der ADFC hatte über die Presse Wolfenbütteler Firmen aufgerufen, Assistenzsystem auf ihren LKW nachzurüsten. Am 11.12.2018 besichtigten wir die Entsorgungsfahrzeuge der ALW:

Auf dem Betriebshof der ALW wurden wir von der Leiterin, Frau Wehr, sowie ihren Mitarbeitern begrüßt. Ein LKW war bereits aufgestellt mit vier Mülltonnen, die im „toten Winkel“ der Außenspiegel platziert waren.

ALW 2Blick vom Fahrersitz nach rechts: Außenspiegel zeigen keine der Tonnen, Monitor zeigt das Kamerabild.

Den „Arbeitsplatz“ des Fahrers erreicht man über drei Stufen – in dieser Höhe müsste man eigentlich alles überblicken, aber in keinem der vorhandenen Spiegel waren die Mülltonnen zu sehen! Ein Spiegel, der die Tonnen zeigen sollte, hätte solch einen schmalen Blickwinkel, dass die Tonnen bei bewegtem Fahrzeug nur einen Augenblick „aufblitzen“ würden – kein Fahrer würde das wahrnehmen.

ALW 3Monitorbild: Großer Blickwinkel von schräg nach vorn bis schräg nach hinten, Mülltonnen sind nicht zu übersehen.

Die Techniker der ALW haben sich gegen die oben beschriebenen Systeme entschieden: ein Müllwagen fährt ständig dicht neben Hindernissen wie parkenden Autos her und biegt häufig ab. Akustische Warnungen wäre schnell nur noch lästig. Das ALW- System warnt nicht vor einzelnen Personen, sondern zeigt mithilfe einer Außenkamera ständig den Bereich rechts vom LKW, der im Spiegel nicht zu sehen ist. Die Kamera ist ähnlich einer Action-Camera aufgebaut, wie sie auch Mountainbiker als Helmkamera einsetzen: Klein und leicht mit riesigem Blickwinkel. Solch eine Kamera hat man am Außenspiegel montiert, ein Monitor steht auf dem Armaturenbrett weit rechts vom Fahrer dort, wo auch der Routineblick zu den Außenspiegeln hingeht. Das Monitorbild überzeugt uns sofort: Alle vier Tonnen (und natürlich noch etwas mehr) sind gut zu sehen.

In einem Fernfahrer-Blog hatte ich gelesen, dass viele Fahrer keine zusätzlichen Warnlichter und - töne wollten. Solche Warnsignale entfallen im System der ALW. Die Fahrer der ALW sind begeistert von dieser Lösung.

ALW 4Kamera am Außenspiegel

Die Müllwagen müssen ohnehin regelmäßig in die Werkstatt. Dabei wird jetzt täglich eines der insg. 39 Fahrzeuge mit dem System ausgerüstet. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs waren neun LKW ausgerüstet. Die Montage dauert unterschiedlich lange, da in den unterschiedlichen Fahrzeugtypen auch die Montage und die Kabelführung vom Außenspiegel nach innen unterschiedlich ist. Die Kosten für die Hardware (Kamera und Monitor) betragen etwa 500 €, der Einbau dauert zwischen drei und acht Stunden, so dass im Schnitt noch etwa 500 € für den Einbau anfallen.

Das Ergebnis ist überzeugend, die Kosten relativ gering im Vergleich zu den oben beschriebenen Systemen, so dass wir uns fragten, warum nicht mehr Firmen mit ähnlichem Einsatzbereich ihrer Fahrzeuge zu dieser Technik greifen.

Und noch einen Blick in die Zukunft gab es: die nächste Generation von Müllwagen wird außen an den Oberkanten des Fahrzeugs ringsum sechs Kameras montiert haben, deren Bilder zu einem Bild zusammengesetzt werden. Dieses Bild wird dem Fahrer den Eindruck vermitteln, von oben auf das Fahrzeug und dessen Umgebung zu blicken.

Nachtrag: Kurz nach unserem Besuch sah ich in der Fußgängerzone einen LKW, der ebenfalls eine kleine Kamera montiert hatte - rechts vorne über seiner Stoßstange (Foto 5). Und der Fahrer war sehr zufrieden damit!

ALW 5

 

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